Neues Westdeutschland No. III

Pseudokommunistische Wochenschau der [VEB-R]

Leitmeldung des Stabes

Die gegenwärtige Weltlage ist weiterhin durch Unübersichtlichkeit, Zerfaserung und terminliche Verwilderung gekennzeichnet. Während in zahllosen Discords Sprache, Zuständigkeit und Erinnerung bereits nach wenigen Tagen im digitalen Morast versinken, hält die VEB Räumkolonne mit bewährten Mitteln dagegen: Dienstvorschrift, Clan-Chronik und kameradschaftlich verwalteter Unsinn greifen hier planmäßig ineinander. Die Mauer steht nicht mehr, aber die Dienstvorschrift hält. Wo andere nur schreiben, löschen und vergessen, wird bei uns geordnet vermerkt, abgeheftet, übertrieben und nötigenfalls später gegen sie verwendet. Der Stab stellt fest, dass Ordnung nicht aus Schönheit, sondern aus Wiederholung entsteht. Ebenso wird festgestellt, dass Wiederholung bei ausreichender Häufigkeit in Tradition übergeht. Jeder Abend kann Material für die Chronik werden. Jeder Zwischenfall, jede Verspätung, jede halbgare Idee trägt damit potentiell zur Festigung des Kombinatsbewusstseins bei. Die VEB-R bleibt somit Bollwerk gegen moderne Unschärfe, gegen formlosen Gemeinschaftsbetrieb und gegen jene Zustände, in denen keiner mehr weiß, wer etwas beschlossen hat. Der Stab ruft daher auf: ordentlich erscheinen, fragwürdig handeln, sauber dokumentieren.


Aus den Bereichen

Bereich Holdfast

Am 11.06. wird der Bereich Holdfast durch einen weiteren Modus in neue historische Zuständigkeiten überführt. Künftig tritt dort der Amerikanische Bürgerkrieg hinzu. Die VEB-R nimmt diese Entwicklung mit gespannter Erwartung und grundsätzlich erhöhter Kampfbereitschaft zur Kenntnis. Es handelt sich hierbei um eine Erweiterung, die geeignet erscheint, das bestehende Angebot an geordneter Schießerei, historischer Verwirrung und uniformierter Pflichterfüllung sinnvoll zu ergänzen.

Zur vorbereitenden Lagefeststellung haben wir uns vor dem Patch zunächst den britischen Truppen zugewandt, um dort erste Schlachterfahrungen unter stabilen Rahmenbedingungen zu sammeln. Die Kommandantur bewertet dieses Vorgehen als zweckmäßige Vorfeldprüfung im Sinne vorsorglicher Gewaltsichtung.

Bereich Arma 3

Leutnant NasseLandkarte konnte im Berichtszeitraum aus dem Einsatzfeld Arma 3 keine nennenswerten Fortschritte vermelden. Die Lage bleibt somit verwaltungstechnisch ruhig, operativ unerquicklich und in ihrer Gesamtheit von jener Stille geprägt, die nicht erfreulich, aber immerhin übersichtlich ist.

Der Stab wertet diese Entwicklung nicht als Versagen, sondern als vorübergehende Nichtergiebigkeit eines weiterhin grundsätzlich aufrechterhaltenen Frontabschnitts.

Bereich Arma Reforger

Das Kombinat hat im Berichtszeitraum erhebliche Zeit in den Archiven der Abteilung für eingeschränkte Meinungsbildung verbracht, um aus früheren Einsatzlagen verwertbare Aufzeichnungen für neue kampftechnische Erprobungen zu gewinnen. Im Zuge dieser Forschungsarbeiten wurde eine ältere Ausgabe der Zeitung „Die Kabumski“ aufgefunden, welche sich in skizzenhafter, jedoch bemerkenswert aufschlussreicher Weise mit dem Themenkomplex Straßensperren befasst.

Die Kommandantur hat daraufhin die in den Archivunterlagen enthaltenen Skizzen nachgebaut und einer praktischen Erprobung zugeführt. Zu diesem Zweck wurde auf Arland eine Versuchslage eingerichtet. Im Ergebnis ist festzustellen, dass derartige Sperrmaßnahmen nur vorbereitend oder nachbereitend im Feindgebiet errichtet werden können. Ihre Einrichtung an einer aktiv bewegten Front ist gegenwärtig als zu zeit- und ressourcenintensiv zu bewerten. Die VEB-R kommt somit zu der nüchternen, aber verwertbaren Erkenntnis, dass nicht jede schöne Sperre zugleich auch eine praktikable Sperre ist.

In erster Schau soll das Verfahren nunmehr in einer aktiven Operation auf Everon erprobt werden. Dort erscheint die Weitläufigkeit des Raumes geeignet, Anfahrt, Aufbau und Zweckmäßigkeit des Hinderniswesens unter realitätsnahen Bedingungen zu sichern. Die zuständigen Stellen erwarten hiervon wertvolle Erkenntnisse für die künftige Verbindung von Verkehrsbehinderung und kameradschaftlicher Sprengfreude.

Bereich Over the Top: WWI

Auch ohne nennenswerte operative Aktivitäten verzeichnet Over the Top: WWI im Berichtszeitraum einen passenden Anzac-Day-Patch. In das Spiel wurden neue Uniformen sowie neue Waffen eingebracht. Die Uniformwahl erfolgt dabei in inhaltlicher Folgerichtigkeit, da der ANZAC Day in Australien als nationaler Gedenktag für jene Soldaten begangen wird, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben. Es wurde seitens der Hersteller festgestellt, dass es nur wenige bessere Orte gebe, ihrer zu gedenken, als New South Wales.

Die Redaktion würdigt diese Entwicklung als begrüßenswerte Verbindung aus historischem Ernst, textiler Ergänzung und marktgerechter Erinnerungskultur.

Bereich Foxhole

Der Bereich Foxhole wird gegenwärtig durch eine anhaltende Protestwelle gehemmt, welche sich gegen das Airborne-Update richtet. Die VEB-R hält sich aus diesen Streitigkeiten heraus. Die Kommandantur sieht keine Veranlassung, sich an lautstarken Lagerbildungen zu beteiligen, solange die sachliche Prüfung der Frontwirklichkeit zu anderen Ergebnissen gelangt.

Nach intensiver Inspektion durch Genossen Oberst Deso ist festgestellt worden, dass die Etablierung einer tragfähigen Logistikkette derzeit nicht sachdienlich erscheint. Die Produktionsleistung ist, in amtlicher Zurückhaltung formuliert, von bemerkenswerter Unterirdischkeit. Es wird daher beschlossen, Foxhole ab Ausgabe IV bis auf weiteres nicht mehr als Hauptkategorie zu führen. Erwähnenswerte Vorgänge werden künftig unter den Sonderbereichen geführt, bis sich die Lage entspannt oder der Zustand des Spiels wieder in den Bereich geordneter Zumutbarkeit zurückkehrt.


Weitere Spiele und Sonderbereiche

Diplomacy is not an Option

Genosse Deso ist auf einem unwirtlichen Kontinent gelandet und hat im Auftrag des Königs versucht, die dort fälligen Steuern einzutreiben. Die Bewohner des Gebiets bewerten diese Maßnahme erwartungsgemäß nicht positiv und belagern die Burg des Obersten bis an die Grenze des verwaltungstechnisch Hinnehmbaren. Die Mission trägt den zutreffenden Namen „Vom Feuer in die Bratpfanne“ und verlangt dem Genossen Oberst erhebliche Nerven-, Material- und Personenreserven ab. Bis kurz vor Redaktionsschluss war ein Ende der Angelegenheit nicht verlässlich abzusehen.

Unerwartet gelang es dem Genossen Oberst jedoch im Rahmen einer abendlichen Bewegtbildübertragung, die Mission erfolgreich abzuschließen. Zu diesem Zweck hatte er sich zuvor in militärstrategische Unterlagen eingelesen, berittene Schwert- und Bogenkämpfer ausgebildet und mit zweckmäßiger Härte eingesetzt. Im weiteren Verlauf konnte die feindliche Prinzessin in Gewahrsam genommen werden. Gemeinsam mit seinem Berater wurde sodann abgewogen, ob durch Lösegeldforderungen oder durch das Plündern lokaler Schatzgräber ein höherer Nutzen zu erzielen sei. Da Diplomatie hier leider weiterhin keine Option darstellt, entschied sich der Genosse Oberst für den sanften Weg und wird die örtlichen Schatzgräber des unwirtlichen Kontinents plündern.

Sudden Strike 5

Im Bereich Sudden Strike 5 wagt sich Genosse Oberst Deso in die Szenarien des Zweiten Weltkriegs. In einer ersten Runde ließ er die Genossen der sowjetischen Fraktion erfolgreich auf der Halbinsel Krim operieren, wo ein Brückenkopf gesichert werden konnte. Dank seiner besonderen Leistungen leitet der Oberst nunmehr eine Spezialoperation, welche darauf abzielt, die deutschen Truppen aus Sevastopol herauszulocken.

Die Mission erwies sich aufgrund des Mangels an verfügbaren Streitkräften als kritischer als zunächst erwartet. Der Stab wertet dies als typischen Fall von Aufgabenfülle bei unbefriedigender Personalzuteilung, also als eine Lage, die dem Kollektiv nicht fremd ist.


Besondere Operationen und Vorkommnisse

Im Berichtszeitraum übernahmen Genosse Oberst Deso und Genosse Leutnant Landkarte zeitweise Bewachungs- und Sicherungsaufgaben an einer Bunkeranlage im Raum Misery. Bei dem betreffenden Objekt handelt es sich nach vorliegenden Unterlagen um ein geheimes Forschungsinstitut auf dem Territorium der Republik Zaslavie.

Das Wissenschaftliche Institut zur Erforschung der Sperrzone von Zaslavie (WIESZ) wurde noch vor dem Krieg errichtet, um Anomalien und Artefakte zu untersuchen. Im späteren Verlauf wurden diese Artefakte zum Auslöser eines Konflikts zwischen internationalen Militärblöcken. Keine der beteiligten Seiten konnte dulden, dass die entsprechenden Gegenstände in fremde Hände geraten. Die hieraus erwachsene Konkurrenz mündete folgerichtig in einen Atomkrieg, welcher die Lage zwar vereinfachte, aber nicht verbesserte.

Die gegenwärtige Dienstaufgabe besteht darin, das verbliebene Institutsgelände zu sichern, auf Signal binnen kürzester Frist in den Bunker auszuweichen und anschließend unter widrigsten Umständen den Überlebenskampf fortzusetzen. Wird eine Sirene ausgelöst, verbleiben den eingesetzten Kräften ungefähr 60 Sekunden, um Material, Waffen und sonstige Überlebensnotwendigkeiten aufzunehmen und in Deckung zu verbringen. Danach beginnt die tägliche Rückkehr in die Sperrzone. Dort werden verlassene Militärbasen, Forschungsstationen, radioaktive Ödlande und zerstörte Städte durchsucht.

Die eingesetzten Genossen sind hierbei auf eine Vielzahl dubioser Erscheinungen gestoßen, deren nähere Beschreibung aus Gründen der Aktenhygiene, der inneren Ruhe und der Vermeidung unnötiger Nachfragen vorerst unterbleibt. Die Pflicht wird jedoch weiterhin erfüllt.


Beförderungen, Auszeichnungen und neue Genossen

Im Redaktionszeitraum wurden keine Genossen ausgezeichnet, befördert oder neu aufgenommen. Die Lage in diesem Bereich ist damit zwar arm an Zeremonie, aber frei von Verwaltungsfehlern. Auch das ist nicht nichts.


Meldung des Stabes

Der Stab verschärft mit sofortiger Wirkung das Guacamoleverbot im Fronteinsatz, da dieses nach gegenwärtiger Lagebewertung gegen mehrere Konventionen verstößt, welche bislang zwar noch nicht niedergeschrieben, im kameradschaftlichen Rechtsgefühl jedoch längst anerkannt sind. Es wurde wiederholt festgestellt, dass der Einsatz von Guacamole im Bereich scharfer Waffen und gedämpfter Systeme zu Ladehemmungen, Querschlägern und Rostbildung in Schalldämpfern führt. Einzelne Proben lassen vermuten, dass sich Avocadobestandteile mit Pulverschmauch zu einer pastösen Frontmasse verbinden, die sowohl technische Funktion als auch soldatische Würde beeinträchtigt. Der Stab weist daher darauf hin, dass Brotaufstriche, sofern sie nicht feldtauglich sind, aus dem Gefechtsraum fernzuhalten sind.

Weiterhin vermeldet der Stab für den Bereich Hell Let Loose, dass am 18.06. unter anderem via Steam „Hell Let Loose: Vietnam“ erscheint. Es wird ausdrücklich empfohlen, diesen Einsatzbereich zu beobachten, da er grundsätzlich in die Aufgabengebiete der Räumkolonne passen könnte. Zugleich gibt die Kommandantur zu bedenken, dass es sich hierbei eher um einen Bereich für Gelegenheitsoperationen handelt und ein Kauf mit erhöhten Ausgaben verbunden ist. Es gilt somit die bewährte Linie: sichten, beobachten und gegebenenfalls auf einen späteren Sale warten.

Ferner weist der Stab darauf hin, dass an den 11.06. und 18.06. von den üblichen Donnerstagsoperationen in Arma Reforger abgewichen wird. Am 11.06. liegt der neue Holdfast-Inhalt dem Stab zur Prüfung vor. Am 18.06. wiederum wird seitens des Kommandanten in Vietnam die Banane erneut krumm gebogen. Die Terminverschiebung erfolgt somit nicht aus Lust, sondern aus Lage.


Aus der Abteilung für propagandistische Wahrheit und planmäßige Übertreibung

Die Banane bleibt stabil – ein fruchtökonomischer Lagevermerk

Im Zuge der fürsorglichen Verteuerung des Süßen durch die jüngst eingeführte Zuckersteuer ist eine geordnete Neuorientierung der kleinbürgerlichen Bedarfslage zu verzeichnen. Die zuständigen Stellen begrüßen diese Form der staatlich begleiteten Geschmackserziehung, welche den Bürger durch maßvolle Portemonnaie-Erziehung an vernünftigere Konsumweisen heranführen soll. Wo der Sirup weicht, marschiert die Banane. Die VEB Räumkolonne stellt hierzu fest, dass sich die gelbe Devisenfrucht zunehmend als stabiles Element der Außenhandelsreserve behauptet.

Aus ordnungsgemäß abgehefteter, selbstverständlich nicht näher erläuterter Aktenlage ergibt sich ferner, dass im Bereich der außenhandelsähnlichen Sonderbeschaffung erhebliche Erfahrungen vorliegen. Von illegalem Import kann dabei keine Rede sein. Gemeint sind ausschließlich sonderlogistische Fruchtbewegungen über nichtöffentliche Transportkorridore, maritime Zweckumleitungen und kameradschaftlich gesicherte Versorgungslinien. Die dadurch erzeugte Fruchtdisziplin hat sich in Zeiten des zuckersteuerbedingten Ausweichbedarfs als außerordentlich zweckdienlich erwiesen.

Die ökonomischen Kennziffern bestätigen diese Entwicklung. Das Weltmarkt- beziehungsweise Importpreisniveau der Banane stieg innerhalb der letzten verfügbaren zwölf Monate von ungefähr 1.117 US-Dollar je Tonne auf etwa 1.215 US-Dollar je Tonne, was einem Zuwachs von rund 8,8 Prozent entspricht. Vom Tiefstand im Juni 2025 bei etwa 951 US-Dollar je Tonne bis März 2026 ergibt sich sogar ein Anstieg von ungefähr 27,8 Prozent. Was in bürgerlichen Kreisen voreilig als Marktbewegung oder Nebenwirkung missverstanden werden könnte, ist aus Sicht planmäßiger Übertreibung als Beleg zunehmender Fruchtwertschöpfung zu würdigen.

Die VEB Räumkolonne erkennt hierin einen Erfolg vorausschauender Fruchtpolitik. Die planmäßige Süßwarenumlenkung stärkt alternative Fruchtmärkte, festigt die Bananenfront und erhöht den strategischen Rang der Banane im Alltag des kleinen Mannes. Die Banane bleibt stabil. Die Devisenlage folgt dem Plan. Der Bürger lernt am Preis.


Running Gags und intern verwertbare Anspielungen

„Feuer frei“ ruft nicht nur Till Lindemann ins Mikrofon oder der Kommandant zu seinen Einheiten. Das im Funkraum vernehmbare Rattern wirft allerdings wiederholt die Frage auf, mit was genau Genosse Oberst Deso dort eigentlich schießt. Die Kommandantur hat hierzu bislang keine abschließende Erklärung abgegeben. Möglich erscheinen Munitionsüberschuss, persönlicher Eifer oder die feste Überzeugung, dass jedes Problem durch ausreichend lautes Dauerfeuer zumindest verwaltungstechnisch lösbar wird.


Schlussparole

Auch in dieser Ausgabe bestätigt sich: Das Kollektiv wird nicht durch Bequemlichkeit groß, sondern durch Auflagen, Umwege, Lageänderungen und sauber geführte Akten. Wo andere sich treiben lassen, wird bei uns geplant. Wo andere nur meckern, wird bei uns vermerkt. Wo andere an der Gegenwart verzweifeln, wird bei uns eine Vorschrift daraus gemacht.

Darum gilt weiterhin: Alles für den Trabi, alles für den Bund. Unser Leben für den 5-Jahres-Plan.
Nicht weil der Trabi schnell wäre. Nicht weil der Bund wüsste, was er tut. Nicht weil der Plan jemals fertig würde. Sondern weil wahre Linientreue sich gerade dort beweist, wo Vernunft, Materiallage und gesunder Menschenverstand längst um Entlassung gebeten haben.

Vorwärts also im Geiste der kameradschaftlichen Verkrampfung, der planmäßigen Übertreibung und der unverbrüchlichen Bereitschaft, selbst den größten Unsinn noch mit Stempel, Formular und Haltung zu versehen.
Allzeit bereit. Veni. Vidi. Kabumski.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert